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Nur für Alte?

Bei einem meiner Streifzüge durch die Nachbarschaft bin ich auf die Siedlung Altenhof II, in der Nähe des Stadtwaldes gestoßen. Es ist der zweite Bauabschnitt der Kruppsiedlung, die von 1907 bis 1914 errichtet wurde. Ich war seit dem ersten Augenblick begeistert von dieser kleinen, versteckten Siedlung. Sie ist in sich geschlossen und die Häuser sind so ganz anders als das, was ich z. B. aus Rüttenscheid kannte.

 

Bevor ich nach Essen gezogen bin, konnte ich mir nicht viel unter “Siedlungskultur” vorstellen. Deswegen war ich mehr als überrascht, so kleine, feine und süße Häuschen zu finden. Die Siedlung ist pittoresk und man sieht den kleinen Zechenhäuschen an, wie viel Liebe die Besitzer in den Erhalt und die Erneuerung dieser kleinen Häuser investieren.

 

Im Gegensatz zu anderen Siedlungen ist hier kein Einheitsbrei zu sehen. Der Charme der Siedlung liegt in der individuellen Auffassung von Wohnen in einem historischen Haus und der Neuinterpretation durch die jeweiligen Besitzer. Teilweise sind die Häuschen traditionell gestaltet, andere spielen mit modernen Elementen wie Glas oder erweitern das Haus um einen Wintergarten.

 

Jedes Mal wenn ich durch den Altenhof II laufe, der durch die Friedrich Krupp AG für seine ehemaligen Angestellten errichtet wurde, überkommen mich Tagträume. Wie war es wohl früher in so einem Häuschen zu leben? Den Namen erhielt die Siedlung durch sein für damalige Verhältnisse, revolutionäres soziales Engagement. Im Altenhof I wie auch II wohnten alte Menschen, Invaliden und Alleinstehende. Und zwar mietfrei. Es ist ein so revolutionärer Akt, dass man es sich heute nur noch schwer vorstellen kann.

 

Robert Schmohl war Leiter des Kruppschen Baubüros und griff architektonisch, in schlichterer Form, die englische Gartenstadtbewegung als Vorbild auf. Die Siedlung wurde im Laufe der Jahre weiterentwickelt und durchlief Phasen, in denen im Stil der Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts und später, durch die Prägung des Nationalsozialismus, verstärkt im Heimatstil, gebaut wurde.

 

Die bunte Mischung regt zum Träumen an. Mit dieser bunten Tüte aus Inspiration kann man sich entspannt in den angrenzenden Kruppschen Waldpark zurückziehen und weiterträumen.

 

Fotos: Sara Fischer

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