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Ein Nachmittag auf Zollverein

„Planen Sie ihren Besuch auf Zollverein“, rät uns die kunterbunte Hochglanz-Website des berühmten UNESCO-Weltkulturerbes Zeche Zollverein in Essen!

 

Und es ist in der Tat atemberaubend, was uns auf dem riesigen Areal mit einer Fläche von 100 Fußballfeldern so alles geboten wird: Industriegeschichte in allen Facetten, spannende Museen wie das Ruhr- oder Red Dot Design Museum, Naturpfade und Sportparcours sowie Shoppingmöglichkeiten vom Grubenhelden bis zum Möbelloft.

 

Langweilig wird es hier nie. Zu jeder Jahreszeit gibt es etwas zu entdecken. Im Winter lädt eine 1.800 m² große Eisbahn zum Schlittschuhlaufen direkt vor den Koksöfen ein (sehr zu empfehlen!). Im Sommer sorgt das Werksschwimmbad für Abkühlung (wenn nicht gerade Corona wütet).

 

Aber das ist Sara und mir heute alles egal. Wir wollen nicht planen. Wir möchten einfach einen schönen, chilligen Samstagnachmittag hier verbringen. Also lassen wir das Informationshäuschen samt seiner Flyerschar am Eingang der Zeche links liegen und uns zwei einfach über das Gelände treiben.

 

Direkt hinter „Halle 12“ genehmigen wir uns ein kühles Getränk und lassen die Atmosphäre dieses besonderen Ortes auf uns wirken:

Überall hat sich die Natur das Gelände zurück erobert. Aus den Gleisbetten schießen die Pflanzen empor und das Grün der Bäume sieht im Kontrast mit den roten Backsteingebäuden und dem blauen Himmel fast unwirklich aus.

 

An den Streben eines alten Förderbandes ist eine einzelne Schaukel befestigt, auf der juchzend ein Kind von seiner Mama angestoßen wird. Irgendwie meint man noch Kohlegeruch wahrzunehmen, zwischen all den Maschinen.

 

Wir flanieren los Richtung Schacht 1/2/8 und bewundern eine handvoll Parkourläufer, die Blumenkübel, Treppen und Mauern zu ihren Hindernissen erkoren haben, um behände von einem zum anderen zu springen.

 

An der alten Kokerei entlang, weg vom Trubel der Ausflügler, kommen wir der Geschichte dieses Werks vielleicht näher als bei mancher Führung. Hier gibt es sie noch, die „Lost Places“, die leerstehenden, eingefallenen Gebäude mit zerschlagenen Fenstern, die einmal Ort harter Arbeit waren und jetzt Kulisse für Film- und Videoaufnahmen sind. Am Bauzaun werden wir ermahnt: „Industriedenkmal, betreten verboten“.

 

Wir umrunden die Kokerei und gehen an der Eisbahn in spe entlang. Kleine, zarte Klatschmohnblüten auf den Wiesen vor Metall-Giganten. Wieder einer dieser fantastischen Kontraste. Wir können uns nicht satt sehen.

 

Durch den Skulpturenwald gelangen wir zurück zum Forum, legen uns und die vom Marschieren heißen Füße auf einer dieser orangen Plastikbänke und lassen die Wolken ziehen. Der „Eiffelturm“ von Essen steht über uns Kopf. Was für ein herrlicher Nachmittag, auch oder gerade weil es kein geplantes Event weit und breit gab.

 

Spannende Eindrücke nehmen wir so oder so mit nach Hause und ganz viel innere Ruhe!

 

Fotos: Verena Meyer

Website Zollverein: https://www.zollverein.de/

 

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