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Ein Haus erzählt ...

Das Haus an der Fuldastraße 31 im Wasserviertel von Duisburg wurde 1924 von der Kaufhaus-Dynastie Alsberg als Privatvilla gebaut, beherbergte sowohl die amerikanische Entnazifizierungsbehörde als auch das Hotel Reinhard und ist nun das Zuhause des Vereins Regenbogen. Aber ganz von vorne:

 

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts geben die Gebrüder Alsberg, angesehene jüdische Bürger der Stadt Duisburg, der Firma Hitzbleck den Auftrag, auf dem Grundstück Fuldastraße 31 eine Villa zu errichten. Es entsteht ein Haus in aufwändiger Art-Deco-Bauweise mit großzügigen Präsentationsflächen und einem prächtigen, mit vielen Holzarbeiten ausgestatteten Treppenhaus. Das Haus umfasst 450 m² Wohnfläche und einen Garten von 600 m².

 

Zunächst wird es privat genutzt. Hermann Strauß, Teilhaber und Geschäftsführer der Kaufhaus-Dynastie, bewohnt es mit Frau Margarte und vier Kindern, welche am nahegelegen Landfermann-Gymnasium ihr Abitur machen. Hermann Strauß war Mitglied der Duisburger Loge "Zur Treue" und Vorstand des israelischen Hilfsvereins.

 

Alles ändert sich mit der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933. Das Kaufhaus wird durch die Firma Horten übernommen, Strauß vermietet die Villa an die befreundetete Familie Potthoff, die später am Hamborner Altmarkt das Kaufhaus Potthoff & Scholl eröffnet. Strauß selbst emigriert und verstirbt in den 50er Jahren in New York.

 

Während der Zerstörungen des 2. Weltkrieges kommt das Haus mit einem ausgebrannten Dachstuhl davon und wird nach Kriegsende eine Zeit lang Sitz der amerikanischen Entnazifizierungsbehörde, samt Verhörzellen.

 

Im Jahr 1969 kauft Erich Reinhard das Objekt und macht es zu einem Hotel. Der Stuck wird abgeschlagen, die Decken heruntergezogen, das Haus nach dem Geschmack der Zeit hergerichtet. Das Hotel Garni "Haus Reinhard" wirbt nun mit seiner ruhigen, aber dennoch zentralen Lage und offeriert komfortabel eingerichtete Zimmer und Suiten mit Dusche, Bad und WC. Auch Sauna und Wintergarten stehen den Gästen zur Verfügung.

 

1999 dann zieht der Verein Regenbogen e.V. in das Gebäude ein und hat bis heute hier seine Verwaltung und Tagesstätte. Der Verein bietet Menschen mit seelischen Erkrankungen und deren Angehörigen Unterstützung. Die Kontakt- und Beratungsstellen sowie die Tagesstätten helfen, mit engagierter, fachlich versierter Begleitung und Unterstützung wieder ein Stück "Normalität im Alltag" zurück zu gewinnen.

 

Nicht nur durch die 2020 installierte Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ist das Haus also nun, nach einer wahrlich wechselvollen Geschichte, im 21. Jahrhundert angekommen.

 

Fotos: Die Bilder und Flyer wurden uns freundlicherweise von Birk Zindl, Regenbogen Duisburg gGmbH , zur Verfügung gestellt.

Recherche: Axel Quester

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