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Bunter Untergrund

Wenn ich mit der Bahn zur Arbeit fahre, muss ich am König-Heinrich-Platz aussteigen! Rolltreppe aufwärts hat es jemand bunt getrieben! Und dieser Jemand ist kein geringerer als Gerhard Richter, ein deutscher Maler, Bildhauer und Fotograf, dessen Werke auf dem Markt zu den teuersten eines lebenden Künstlers zählen! Man höre, staune und sehe gut hin!

 

Im Jahr 1988 hat Richter das Werk für Duisburg gefertigt, gemeinsam mit seiner Frau und ehemaligen Meisterschülerin Isa Genzken.

 

Richter und Genzken verkleideten die Wände mit bunten Emaille-Platten in den kraftvollen Grundtönen Blau, Rot und Gelb. Die entstandenen Flächen und Formen, die von bunten Linien durchschnitten werden, erinnern an die berühmten großen abstrakten Bilder Richters.

 

In der ehemaligen DDR, wo Gerhard Richter ab 1951 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte, wurde Abstraktion als elitärer, abgehobener Stil des Westens bekämpft. Im Westen – Richter setzte sein Studium 1961 an der Düsseldorfer Akademie fort – galt sie wiederum bereits als konservativ, weil sich die junge Kunst in neuen Ausdrucksformen verwirklichte und Malerei obsolet erschien. Richter ergriff die ungeliebte Abstraktion als Verfahren, die Malerei in ihren Möglichkeiten neu zu befragen.

 

Der Untergrund unserer Stadt ist daher einer von nur fünf U-Bahnhöfen der Welt, der über ein solches Meisterwerk verfügt. Darauf kann man doch stolz sein!

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