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An der Klosterallee

Es ist ein frostig-kalter, sonniger Wintersonntag. Wir flanieren die Klosterallee in Dormagen entlang. Neben uns Streuobstwiesen mit über 300 Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäumen und ein weiter Blick in die Landschaft. Vor uns das Kloster Knechtsteden. Natur, Religion und Kultur gehen hier auf wunderbare Weise Hand in Hand.

 

Die Geschichte dieses Ortes begann bereits um 1130, als Hugo von Sponheim, einem lokalen Adelsgeschlecht entstammend, dem Orden der Prämonstratenser einen Fronhof stiftete. Daraus wurde dann das Kloster Knechtsteden, mit der Basilika als Herzstück. Letztere können wir schon von Weitem sehen. Sie überragt das Gelände und weckt unsere Neugier.

 

Durch das barocke Torhaus hindurch gehen wir, von knorrigen Bäumen zu beiden Seiten geleitet, direkt auf das Prachtstück zu.

Wir treten ehrfürchtig in das Innere der Basilika. Das gewaltige Apsisgemälde im Westchor fällt uns als erstes ins Auge. Es zeigt den thronenden Christus als Weltherrscher. Um die Mandorla herum - dem mandelförmigen Heiligenschein - sind die Symbole der vier Evangelisten gruppiert. Zu den Füßen Christi liegt der Stifter der Basilika, Albert von Aachen.

 

Ein paar Schritte weiter befindet sich Kreuzgang und Ausstellungsbereich der Kirche. Durch die Fenster kann man in den Innenhof blicken. Die blauen Schafe aus der Blauschäferei Reetz, deren Räumlichkeiten sich im ehemaligen Sägewerk des Klosters befindet, sind auf die Seite gefallen. Das heißt aber nicht, dass das Kunstprojekt "Die blaue Friedensherde" eingeschlafen ist. Seine zentrale Botschaft "Alle sind gleich - jeder ist wichtig", gilt heute immer noch. Das 2009 ins Leben gerufene Projekt gastierte bereits in 200 Städten in ganz Europa und auch in manch einem Garten am Niederrhein ist das frostsichere blaue Schaf bereits gesichtet worden.

 

In den Vitrinen befinden sich Exponate zur Geschichte der Spiritaner, welche das Kloster im Jahr 1895 übernahmen. Was der Missionsorden als seine Aufgabe empfindet, nämlich den Menschen, die die Botschaft des Evangeliums bisher nicht oder kaum gehört haben, ein gelebtes Zeugnis von der Frohbotschaft geben, zeigt eine Figurengruppe, bei deren Betrachtung man nicht so genau weiß, ob man laut lachen oder doch eher weinen sollte. Ein weißer Missionar unterrichtet eine Gruppe afrikanischer Schüler*innen. Irgendwie schräg.

Direkt an die Basilika schließt sich das Missionshaus an. In dieser ältesten Niederlassung des Ordens, dem sogenannten Mutterhaus, lebt heute noch eine Gemeinschaft von Spiritanern. Ein wunderschönes Gebäude mit mächtiger Pforte.

 

Direkt gegenüber ist das Pilgergebäude für Besucher untergebracht. Der Klosterladen ist zurzeit natürlich geschlossen.

Hinter Kirche und Missionshaus tut sich dann eine ganz eigene Welt auf. Wir sind erstaunt, wie groß und weitläufig das Gelände ist, wie viele Gebäude sich hier befinden. Die Antwort darauf: Jahrelang diente Knechtsteden als nahezu autonomes Klosterdorf rund 450 Menschen als Heimat. Es ist tatsächlich die größte mittelalterliche Klosteranlage im Erzbistum Köln.

 

Und so entdecken wir neben den seelsorglich-religiösen Einrichtungen bei unserem Rundgang auch Schulen, Werkstätten, Künstlerateliers, Theaterscheune, Gastronomie und eine biologische Station innerhalb dieser Klostermauern. Mit dem "Festival Alte Musik" ist das Kloster zudem weit über die Grenzen Dormagens hinaus bekannt. Eine faszinierende Welt der Möglichkeiten.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher auf den Kloster- und Soldatenfriedhof. Hier ruhen die verstorbenen Spiritanerbrüder und -patres sowie die in Knechtsteden verstorbenen Soldaten, die dort zur Kriegszeit im Lazarett untergebracht waren. 157 Kriegstote sind hier beigesetzt.

 

Vom Friedhof aus hat man noch einmal einen herrlichen Blick auf die Basilika.

Durchgefroren, aber um einige spannende Eindrücke reicher geht es also zurück. Leider hat der Klosterhof geschlossen, daher werden wir die verdiente heiße Schokolade zu Hause trinken müssen. Aber das ist ja nur 50 km von diesem wunderbaren Ort entfernt.

Fotos: Verena Meyer

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