· 

Psst, aufgepasst ...

Unser Treffpunkt ist die Promenade hinterm "Rheinstadion", welches in meinen Augen eher Fußballplätze sind, aber egal. Heute ist ein sonniger Tag und ich freue mich auf einen Bummel mit meinen lieben Theaterkollegen durch Monheim. Rechter Hand sehen wir in der Ferne die modernen Bürogebäude, die sich am Ufer des Flusses aufreihen, gegenüber das Landgasthaus Piwipp. Mit der Saisonfähre "Piwipper Böötche" kann man hier ab und an Vater Rhein überqueren. Aber das ist heute nicht unser Ziel. Wir wandern am glitzernden Wasser entlang zur Altstadt ...

 

Durch die herrliche Allee "Am Werth" gehen wir direkt auf die Kirche St. Gereon zu. Der romanische Turm sieht schon von Weitem recht stattlich aus und weist uns die Richtung.

Wir betreten die Turmstraße, deren Name quasi Programm ist. Sie begrenzt die Altstadt Monheims hier im Westen durch den Rhein, der direkt unterhalb der Kirche und des Marktstiegs vorbei floss und auf der östlichen Seite durch den Schlementurm, welcher das Wahrzeichen der Stadt ist.

 

Aber auch andere Straßennamen weisen auf die Geschichte des Städtchens hin. Die Zollstraße direkt hinterm Zugang zur Altstadt erzählt darüber, dass hier tatsächlich die seit 1257 verbürgte Zollstätte stand, an der die Grafen und Herzöge von Berg Land- und sogar Rheinzoll erhoben haben.

 

Die "Freiheit" - was für ein wunderschöner Straßenname - ist ein Titel, die dem Ort vor 600 Jahren durch den Herzog von Berg verliehen wurde.

 

Auf Höhe des Karnelvalskabinetts, welches die lange jecke Tradition des Monheimer "Fastelovends" präsentiert, hören wir plötzlich "Psst, aufgepasst ...". Da will uns jemand noch mehr erzählen über die besonderen Orte der Stadt? Ja, tatsächlich. Und dieser Jemand ist keine geringere als die Gänseliesel und ihr schnatterndes Federvieh.

 

Sie ist Sagengestalt und gleichzeitig populäre Figur des Stadtwappens. Mit der Geste des vor die Lippen gehaltenen Zeigefingers wollte sie ursprünglich mit der lateinischen Siegelinschrift "Nocet esse loctum", zu deutsch "Geschwätz schadet" darauf hinweisen, dass die amtlichen Angelegenheiten Monheims nicht über die Stadtgrenzen hinaus weitergetragen werden sollten. Heute jedoch wird sie im touristischen Sinne dafür genutzt, alles was die Stadt besonders macht bunt und laut weiterzuerzählen.

Wir hören also auf die Gänseliesel und folgen den blauen Gänsetapsen auf dem Asphalt vorbei am ehemaligen Rathaus bis zum 26 Meter hohen Schelmenturm, der leider derzeit eingerüstet und also nicht wirklich zu bewundern ist. Um 1425 wurde er zum Schutz der Freiheit Monheims errichtet, diente den Schelmen als Gefängnis und wird heute als exklusive Location für zum Beispiel Eheschließungen genutzt.

 

Jenseits des Turms betreten wir sozusagen Neustadt. Hier ist die Heimat des heutigen Rathauses, hinter dem sich das Ulla-Hahn-Haus versteckt. Die deutsche Schriftstellerin ist eine der wichtigsten Lyrikerinnen der Gegenwart und wuchs in Monheim auf. Ihr ehemaliges Elternhaus ist jetzt das städtische Literaturhaus für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und vermittelt nicht nur die Werke seiner Namensgeberin mit kreativen Angeboten. Zum Beispiel kann man sich direkt vor der Tür Literatur aus dem Automaten ziehen. Geistiges to go sozusagen.

Und so schlendern wir mit all diesen Eindrücken durch die Neustraße zurück zu unserem Ausgangspunkt. Wir haben längst nicht alles gesehen, was das Häusermeer hier zu bieten hat. Aber wir haben entdeckt, dass es sich lohnt, dafür noch noch einmal nach Monheim zu kommen. In diesem Sinne: Auf bald!

Fotos: Verena Meyer, Marion Kaseler

Danke für die Führung an die Gänseliesel und Siegfried Bast.

Monheim, Teil 2

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Nicole Herrmann (Sonntag, 21 März 2021 10:55)

    Ein wunderschöner Bericht! Da bekommt man sofort Lust Monheim zu entdecken, was ich auf jeden Fall machen werde :-)