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Ihr Lieben. Heute nehme ich euch mit auf einen kleinen Rundgang durch die Osnabrücker Altstadt.

 

Ich bin ganz gespannt, denn ich war schon lange nicht mehr hier und fühle mich wie eine Touristin in meiner eigenen Geburtsstadt.

 

In the summer of '69 habe ich hier in der Metropole des Osnabrücker Landes das Licht der Welt erblickt, bin vor Ort zur Schule gegangen, habe vier Jahre am hiesigen Stadttheater gearbeitet und verbinde also viele Erinnerungen mit der Hasestadt.

 

Doch nun, Jahrzehnte später, ist sie gleichzeitig wie neu und ich schaue mit einem anderen, erwachsenen Blick auf Häuser und Menschen.

 

Gemeinsam mit meiner Freundin Nicole starte ich am Herrenteichswall. Hier steht die Herz-Jesu-Kirche und der Harmannsbrunnen. Die Brunnenanlage aus dem Jahr 1909 ist eines der ältesten Arbeiterdenkmale in Deutschland. Sie trägt den Namen ihres Stifters, des Stahlwerksdirektors und Senators August Haarmann und erinnert an die Arbeit der Bergleute.

Wir gehen zunächst am Herrenteichswall die Hase entlang. Auf dem Osnabrücker Stadtgebiet säumt den Fluss ein für Fußgänger und Radfahrer ausgebauter Uferweg. Die 17 km lange Strecke schlängelt sich quer vom Osten zum Nordwesten der Stadt. Und obwohl ein eher grauer Wintertag ist, begrüßt uns der Fluss mit einigen Sonnenstrahlen!

 

Direkt am Herrenteichswall fällt uns eine rote Kugel an der Böschung zur Hase hin auf. Hier befindet sich der geografische Mittelpunkt der Stadt, die insgesamt 23 Stadtteile und 165.000 Einwohner*innen hat.

 

Ein paar Schritte weiter geht der Blick entlang des Weges auf die Rückseite zweier Gymnasien, von denen das eine - das Carolinum - das vielleicht älteste Deutschlands ist, denn es soll von Karl dem Großem bereits um 804 gegründet worden sein. Direkt daneben liegt die Ursulaschule, an der ich im Jahr 1988 mein Abitur gemacht habe. Es kommt mir vor, als sei es in einem anderen Leben gewesen.

Wir schreiten durch den sogenannten Hexengang bis zum Domhof. Hier steht nicht nur die "kleine Kirche", in der ich früher jeden Montag in der ersten Stunde zum Schulgottesdienst war, sondern - wie der Name schon sagt - auch der altehrwürdige Dom St. Petrus. Das spätromanische Bauwerk fungiert als Kathedrale des Bistums Osnabrück. Vor seinem Tor wacht der Löwenpudel. Möglicherweise handelt es sich bei dem Standbild um ein Zeichen der Gerichtsbarkeit, wie es auch auf Siegeln Verwendung fand. Es wurde der Stadt von Herzog Heinrich dem Löwen verliehen.

 

Im Innern des Doms bewundern wir die herrliche Krippe und den imposanten dreiflügeligen Hochaltar. Hier ist es ruhig und das Licht fällt wunderbar durch das Rosettenfenster. Der Gang ist schon für eine anstehende Hochzeit geschmückt. Das Datum 22.02.2022 eignet sich für viele wohl besonders gut als Hochzeitstag.

Ein paar Schritte weiter sind wir am alten Markt - dem Zentrum der Altstadt - angekommen. Bis auf wenige Ausnahmen sind hier noch die ursprünglichen historischen Gebäude zu sehen.

 

Auf der einen Seite das Osnabrücker Rathaus, in welchem 1648 von den Kriegsparteien des Dreißigjährigen Krieges der Westfälische Friede ausgehandelt und unterzeichnet wurde, die Marienkirche sowie die Stadtwaage von 1532, in der heute das Standesamt untergebracht ist.

 

An der Südseite reihen sich die herrlich bunten Häuser mit Treppengiebeln, das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum (benannt nach dem berühmten Schriftsteller, der in Osnabrück geboren wurde), und das neuere Gebäude der Stadtbibliothek aneinander.

 

Rund um den Markt hat sich ein Schwerpunkt der Osnabrücker Gastronomie mit Restaurants und Gaststätten gebildet. Im traditionsreichen "Café am Markt" machen wir ein kleines Kaffeepäuschen. Lecker Mohnkuchen und Buttercremetorte. Mmmmhhh ...

Nicht nur direkt um die Ecke an der Krahnstraße, auch im angrenzenden Heger-Tor-Viertel weiß man gar nicht, wohin man den Blick als erstes wenden soll, so viele schöne Fachwerkfassaden sind zu betrachten.

 

Zum Beispiel die vom Hotel Walhalla. Den Namen trägt das Gebäude schon seit 200 Jahren. Den prachtvollen Barock-Fachwerkbau ließ der Gerichtsvogt Gerdt Heindrich Meuschen im Jahre 1690 errichten.

 

Und dann gibt es da noch schräge Kuriositäten wie das traditionelle Fachgeschäft "Werkzeuge Hollfeld", dass bereits seit 1934 alles führt, was das Herz von Bastlern und Handwerkern höherschlagen lässt. Von der schweren Bohrmaschine bis zum einzelnen Schräubchen.

 

Oder die kleine Figur des Steckenpferdreiters an einem der Häuser. Das Steckenpferdreiten ist nämlich ein Brauch der niedersächsischen Stadt Osnabrück und erinnert ebenso an den Friedensschluss von 1648 zur Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs.

Nach dem Rundgang durch die Altstadt begeben wir uns langsam zurück Richtung Domhof und passieren dabei auch den Nikolaiort. Selbst in der "Neustadt" fallen dabei immer wieder wunderschöne alte Gebäude, wie z. B. das der Hirschapotheke ins Auge.

 

Und nicht zu vergessen das wunderschöne Stadttheater mit seiner großartigen Jugendstilfassade. Hier habe ich als Berufsanfängerin meine ersten praktischen Schritte in der Dramaturgie und Theaterpädagogik gemacht. "Verdammt lang her" würde BAP dazu singen.

 

Natürlich gäbe es noch viel mehr zu sehen und zu erzählen. Aber diese Eindrücke reichen uns für diesen Tag. Wir kommen ganz sicher noch einmal wieder. Vielleicht im Sommer, wenn der Himmel blau ist und die Blumen im Schloss- und Botanischen Garten blühen.

Fotos: Verena Meyer/Nicole Herrmann

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