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Mit Magie!

Die Tür ist geöffnet und lädt mich ins Innere der Rheinkirche. Das imposante Gebäude im neu-gotischen Stil, gebaut zwischen 1893 bis 1895, steht trutzig unter dem blauen Spätsommerhimmel. Bis ins Jahr 2016 Sitz einer evangelischen Gemeinde, ist es seit April 2022 nun ein Kolumbarium.

 

Kolum ... was?, fragt ihr. Ein Kolumbarium ist ein (meist oberirdisches) Bauwerk, das zur Aufbewahrung von Urnen dient. Passt also in den sakralen Raum. Fun Fact: Ursprünglich wurde das lateinische Wort Columbarium für einen Taubenschlag verwendet. Passt also auch zum Ruhrpott.

 

Das Freie Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg ist eine Ruhestätte der besonderen Art, in der kirchliche Tradition, moderne Bestattungskultur und spektakuläre Architektur eine magische Verbindung eingehen, so beschreiben die Verantwortlichen ihr Projekt selbst. Und ich kann nur sagen, ja, Magie ist hier tatsächlich zu spüren.

 

Direkt nach dem Durchschreiten des Eingangportals bietet sich den Besuchenden ein spektakulärer Blick in den Mittelgang der Kirche, rechts und links gesäumt von einer bis zu 12 m hohen, zugleich mächtigen und luftigen Konstruktion aus Eichenholz. In diesen Stelenwänden ruhen die Urnen. Einfach sagenhaft.

 

Ich lege den Kopf in den Nacken. Das Sonnenlicht, welches durch die großen Seitenfenster einfällt, schafft eine besondere Atmosphäre, die durch die zarte Klaviermusik verstärkt wird, welche angenehm durch den Raum wabert. Ganz oben, am Ende der hohen Stelen verbindet sich das natürliche Licht mit dem Schein von Glaskuben, die blau und grün leuchten. Magisch, wie gesagt.

 

Ein überaus freundlicher Herr, der den Raum beaufsichtigt, nimmt mich mit auf eine kleine Reise durch das Kolumbarium und erzählt, dass dieser Ort hier mehr sein möchte als ein Friedhof. Er sei ebenso Ort der Einkehr und Begegnung. Hier darf man einfach nur Verweilen, aber sich auch austauschen. Neben Trauerfeiern finden zusätzlich Ausstellungen oder Konzerte statt. Die Tür steht allen Menschen offen, egal welcher Religion oder Herkunft. Ich fühle mich in jedem Fall willkommen!

 

Eine Zeit lang setze ich mich in den ehemaligen Altarraum, schaue, spüre, rieche. Vor mir ein großes Gefäß mit sonnengelben Blumen, die auf einer  Wasseroberfläche schwimmen. In der Ferne, die Orgel, die über allem thront. Einfach schön.

Draußen dann mache ich noch einen kleinen Rundgang durch den Außenbereich des Kolumbariums. "Garten der Gedanken" nennen die Schöpfer das ca. 2.000 qm große Areal, welches ebenso wie das Innere der Kirche zum Innenhalten und zum Nachdenken über den Kreislauf des Lebens einlädt. Schmetterlinge flattern um die Blüten, Bienen summen, Stille und Faszination. Was für ein wunderbarer Ort hier geschaffen wurde. Ich bin hin und weg.

 

Und wisst ihr, was noch großartiger ist? Wenn die Ruhezeit im Kolumbarium zuende geht, wird die Asche der verstorbenen Person in diesem Garten verstreut. Und dann erwächst wieder etwas Neues.

Fotos: Verena Meyer

www.kolumbarium-rheinkirche.de

Die Rheinkirche ist außer Montags immer zwischen 11 und 16 Uhr geöffnet. Ein Besuch lohnt sich!

Und wenn ihr danach Lust auf was bodenständig Irdisches habt, ist der Biergarten Hafensturm quasi ums Eck.

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