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Vom Getreidespeicher zum Museum

Es ist Donnerstag. Der Tag, an dem Duisburger*innen die großartige Möglichkeit haben, das Museum Küppersmühle für moderne Kunst (MKM) im Innenhafen bei Vorlage des Personalausweises umsonst besichtigen zu dürfen! Also mache ich mich auf den Weg. Auch, um mir den erst vor kurzem eröffneten Erweiterungsbau einmal genauer anzuschauen.

 

Aus der Schreiberstraße kommend begrüßt mich die Sonne. Der imposante neue Ziegelbau bietet unter blauem Himmel einen klasse Anblick und fällt sofort ins Auge.

 

Insgesamt reiht sich das Museum vollkommen organisch in die Reihe der bestehenden historischen Backsteingebäude entlang des Innenhafenbeckens ein. Das Architekturbüro Herzog & de Meuron hat wirklich ganze Arbeit geleistet.

Innen drin komme ich noch mehr ins Staunen. Das bestehende Museum und die neuen Räume sind im 1. und 2. Obergeschoss durch Brücken miteinander verbunden, von denen aus man spektakuläre Sicht in die alten Silos hat.

 

Das ursprüngliche Material ist hier weitestgehend erhalten geblieben. So ist das Museum auch Industriedenkmal, welches nicht nur Kunst beherbergt, sondern selbst ein Kunstwerk ist!

Das zeigt sich in besonderer Weise auch in den zwei Treppenhäusern des Gebäudes. Die Treppentürme aus geschwungenen terracottafarbendem Beton sind einfach faszinierend. Wie gigantische Skulpturen!

 

Der natürliche Lichteinfall durch eine Luke in der Decke und seitliche, schmale Fensterbalken lässt den Werkstoff in immer neuen Farbtönen changieren. Die gewundenen Treppen muten wie Fossile an.

 

Egal ob man von unten nach oben oder aber von oben nach unten schaut, immer wieder entstehen neue, faszinierende Eindrücke.

Und dann sind da noch die neuen Ausstellungsräume. Auf 5.000 m² Fläche, in nun 36 hellen, klar strukturierten Räumen kann eine Sammlung von über 300 Werken bestaunt werden. Was für Dimensionen!

 

Spannend ist der Kontrast zwischen dem historischen, eher groben Äußeren des Museums und den reduzierten, modernen Räumen innen.

 

Die Vielfältigkeit der ausgestellten Werke ist spannend. Von Arp bis Wachter finden sich Bilder und Objekte aus unterschiedlichsten Schaffensphasen der Sammlung Ströher. Spannend ist auch die Wechselwirkung der Werke mit den Linien und Sichtachsen der Räume.

 

Wenn z. B. die Betonsäulen im Erdgeschoss des Anbaus in den Dialog mit der Skulptur von Matschinsky-Dennighoff geht oder die Durchgänge von einem Ausstellungsraum zum anderen wie ein Rahmen für die gehängten Bilder wirken, ist das wirklich etwas Besonderes. Schön auch, wenn die Besucher*innen, in den schmalen Fenstern oder im Figurenkreis stehend selbst wie Skulpturen anmuten.

Nach dem Museumsbesuch lässt es sich noch wunderbar ums Hafenbecken schlendern. Zum einen gibt es auch im Außenbereich des Museums Kunst zu bewundern (unter den Platanen steht ein Werk von Ansgar Nierhoff, auf der Wasserseite schwimmt das U-Boot von Kaufamnn & Reck), zum anderen lassen sich bei einem Gläschen Wein die wunderbaren Eindrücke austauschen, die man beim Besuch des neuen MKM gewonnen hat.

 

So mache ich es auch und beim Rückweg schließt sich dann ein Kreis: Auf dem Hinweg von der Sonne begrüßt, verabschiedet mich der volle Mond zurück nach Hause. Und auch im Dunklen macht der Museumsbau Küppersmühle eine gute Figur. Das neue MKM ist echt eine Wucht!

Fotos: Verena Meyer

https://museum-kueppersmuehle.de/

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