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Augen auf!

Unter einem rasen die Autos auf der A 59 vorbei, neben einem die Fußgänger, die von der Königstraße aus schnell den Hauptbahnhof erreichen wollen. Und alle lassen es links liegen, das Mahnmal für die deportierten jüdischen Kinder, welches an der Ecke Saarstraße aufgestellt ist. Auch ich bin schon oft daran vorbeigegangen, ohne genauer hinzuschauen. Ein Fehler.

 

Es lohnt sich, die Augen auf zu machen und genauer hinzusehen. Und das im doppelten Wortsinn. Zum einen sollte man sich dieses eindruckvolle Kunstwerk nicht entgehen lassen, zum anderen die Mahnung, die dahinter steht. In einer Zeit, in der Populismus und Rassismus fast schon wieder salonfähig sind und in der bürgerlichen Mitte anzukommen scheinen, ist es wichtiger denn je, sich zu erinnern und jeglicher Art von Ausgrenzung und wie auch immer motivierter Gewalt die Stirn zu bieten.

Das Mahnmal erinnert an das Schicksal von mehr als 130 jüdischer Kindern, die während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vom Duisburger Hauptbahnhof aus in Konzentrations- und Todeslager verschleppt und dort ermordet wurden.

 

Der künstlerische Entwurf stammt von Gerhard Losemann und wurde von Auszubildenden der Thyssen Krupp Steel Europe AG umgesetzt. Das Mahnmal besteht aus 10 Millimeter dickem Cortenstahlblech. Im Inneren des 3 Meter hohen Kubus befinden sich Edelstahltafeln mit den Namen und Lebensdaten der deportierten Kinder.

 

Und diese Gegensätze machen den Reiz des Objektes aus: Von Außen erscheint es hart und unberührbar, innen drin aber schwingen leicht und weich die Schilder. Es geht eben nicht nur um abstrakte Daten und Zahlen, sondern um Menschen und individuelle Schicksale. Man muss eben einfach genauer hinschauen, auch über Fassaden hinweg.

Fotos: Verena Meyer

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