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Ein ruhiger Platz

Ich gehe gerne auf Friedhöfe. Es sind so ruhige, besinnliche Orte, die einen innehalten lassen.

 

Ein ganz Besonderer seiner Art ist der Waldfriedhof in Wanheimerort. Er ist der größte in Duisburg und wird auch „Neuer Friedhof" genannt.

 

Der imposante Haupteingang aus rotem Backstein ist typisch für die Zeit seiner Entstehung. Moderne Architektur der frühen 1920er-Jahre, schlicht ungegliedert im Stil des Expressionismus.

 

Vor der denkmalgeschützten Trauerhalle begrüßt mich die Skulptur "Drei Lebensalter" von Kurt Schwippert. Die lebensgroßen Figuren mit ihren ernsten Gesichtern wirken wie wehklagende Frauen.

 

An diesem Punkt beginne ich meinen Rundgang über das sage und schreibe 67 Hektar große, wunderbar bewachsene Areal. Ein über 50 km langes Wegenetz führt durch diese abwechslungsreiche Kulturlandschaft.

Das Faszinierende auf dem Waldfriedhof sind neben den weiten Alleen mit uraltem Baumbestand auch die Begräbnisstätten verschiedenster Nationen und Glaubensrichtungen.

 

Gerade in diesen Tagen, in denen ein Krieg gegen die Ukraine begonnen wurde, gehen mir beim Betrachten der unterschiedlich gestalteten Grabsteine so viele Gedanken durch den Kopf. Jeder Stein steht für einen Menschen und egal, welchen Geschlechts, welchen Alters, welcher Herkunft dieser Mensch war, er wird von liebenden Angehörigen betrauert und vermisst. Jeder dieser Toten wollte nichts anderes als in Frieden leben: der Jude, das russische Kind, der deutsche Soldat, egal wer ... Wie sinnlos ist es doch, wenn sie viel zu früh in Kriegen sterben müssen.

Da ist das jüdische Bestattungsfeld im nordöstlichen Teil des Friedhofs, ganz in der Nähe des Eingangs Zum Lith. Es besteht seit 1930. Heute wird es von er jüdischen Gemeinde nicht mehr genutzt, aber 96 Grabsteine sind noch erhalten und werden offenbar auch noch besucht. Jemand hat kleine Kiesel auf einem Grabstein hinterlassen, eine Tradition, die zeigt, dass der oder die Verstorbene nicht vergessen ist.

 

Im südöstlichen Teil, in der Nähe der Autobahn, befindet sich ein russisches Kindergräberfeld. Die Gedenktafel in kyrillischer Schrift erinnert an 48 dort bestattete Kinder, die zum Teil nur wenige Wochen alt werden durften. Vor einem der Steine blühen gelbe und lila Krokusse. Mir schießt das Lied "Russians" von Sting in den Kopf und ich singe leise: t'd be such an ignorant thing to do, if the Russians love their children too ...

Das Ehrenfeld im Südteil des Friedhofs ist Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Hier sind 3513 Menschen aus verschiedenen Nationen begraben, die ihr Leben während des Krieges und der insgesamt 299 Luftangriffe der britisch-amerikanischen Bomber auf Duisburg lassen mussten.

 

In Reih und Glied stehen die Kreuze in der Sonne, "Unbekannt" steht auf einigen eingraviert. Und es hämmert im Hirn: "Sinnlos, sinnlos, sinnlos ..."

Zum Schluss sei nicht unerwähnt gelassen, dass es auf dem Waldfriedhof auch eine ganze Reihe von Gräbern gibt, in denen berühmte Duisburger bestattet worden sind, z. B. die Grabstätte des berühmten Bildhauers Wilhelm Lehmbruck, der in Duisburg Meiderich geboren wurde, sowie das Familiengrab der Köhler-Osbahrs, die 1986 die Köhler-Osbahr-Stiftung zur Förderung von Kunst und Wissenschaft ins Leben riefen.

 

Johann Wilhelm Welker, Generaldirektor der Franz Haniel & Cie und Peter Klöckner, Großindustrieller und Gründer des Eisen- und Stahlhandelsunternehmens Klöckner & Co wurden hier imposante Mausoleen errichtet.

 

Ebenso hier begraben sind zwei ehemalige Oberbürgermeister unserer Stadt Duisburg: Karl Jarres, Reichspolitiker in der Weimarer Republik und zwischen 1914-1933 im Amt und Heinrich Weitz, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg von 1945-47. Letzterer war auch Finanzminister von Nordrhein-Westfalen und ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

Fotos: Verena Meyer

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