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Wo Sonne scheint und Kühe weiden

Wenn ich morgens mit der Bahn zur Arbeit fahre und am König-Heinrich-Platz aussteige, weisen mich die Schilder an der Rolltreppe Richtung Kuhtor und Sonnenwall. Das sind Straßennamen, die beide ungewöhnlich klingen und da dachte ich mir, ich recherchiere mal, wie diese Namen zustande gekommen sind. Was hat der Wall mit der Sonne zu tun? Und gab es tatsächlich ein Tor für Kühe mitten in der Duisburger City?

Kuhtor

Zu meinem großen Erstaunen handelt es sich beim Kuhtor um eines der vier Duisburger Stadttore, durch welches früher tatsächlich Kühe in die umliegenden, bis zur Wedau reichenden Weideländereien getrieben wurden.

 

Im Jahr 1352 wurde es bereits als "porta vaccarum" und 1566 auf dem Corputius Plan als "Coeport" bezeichnet.  Dann wurde es als letztes Stadttor im Jahre 1833 abgebrochen.

 

Heute ist das Kuhtor ein Platz, auf dessen Höhe die Königstraße in die Kuhstraße übergeht. Statt einer Kuhskulptur wird er allerdings von einem Brunnen geziert: Thomas Virnichs Schiffsmasken (1991–1993) aus Stahl und Ziegel über Beton.

Sonnenwall

Der Sonnenwall führt vom Kuhtor aus weiter bis an die Musfeldstraße. Teilweise läuft er parallel zur Untermauerstraße und lässt noch gut seine Bedeutung als ehemaliger Schutzwall erkennen. Ursprünglich war dieser Schutzwall der Stadtmauer vorgelagert und beidseitig mit Wassergräben versehen. Neben dem Springwall und dem Kuhlenwall ist der Sonnenwall der dritte der alten Duisburger Wallanlagen.

 

Wer heute auf einem dieser "Wälle" spazieren geht, befindet sich bereits außerhalb des ummauerten alten Duisburg. So viel zum Thema "Wall", aber was ist mit der Sonne?

 

Dazu zitiere ich Johann Heinrich Christian Nonne: "Kein Lindenschatten (wie beim Kuhlenwall) kühlt den heißen Boden, wo die Sonne brennt". So besingt der Pfarrer und Dichter im Jahr 1808 den Sonnenwall in seinen Wanderungen durch Duisburgs Fluren. Aha!

 

Heute früh scheint die Sonne noch nicht. Der Sonnenwall liegt recht verlassen da. Von Weitem grüßt der Stadtwerketurm, die Hockende scheint nachzudenken, Cafés und Restaurants sind geschlossen.

 

Apropos, hier gibt es noch echt alt eingesessene Gastronomie. Das Café Dobbelstein zum Beispiel ist seit 1858 in Duisburg und lockt in 5. Generation mit verführerischen Torten- und Gebäckkreationen. Im hinteren Teil des Cafés gibt es Hunderte von Kaffeemühlen zu bewundern und sogar die größte Kaffeemühle der Welt ist hier beheimatet.

 

Ein paar Schritte weiter kommt man von der Kaffeemühle zur Laterne. Ein urgemütliches Restaurant mit Tradition seit 1886. Wenn man von der Straße aus in die Gaststube tritt, hat man das Gefühl für eine bestimmte Zeit in eine andere heile Welt abzutauchen. Probiert es einfach mal aus.

Fotos: Verena Meyer

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