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Mauern, Türme, Wehrgänge

Es ist Freitag, die Sonne scheint und ich habe Feierabend. Es kann also losgehen! Ziel: Einmal den Weg der ehemaligen Stadtmauer Duisburgs ablaufen und schauen, was von dem historischen Bauwerk noch übrig geblieben ist. So viel vorweg: Ursprünglich war die Stadtmauer ca. 2,5 Kilometer lang und im Schnitt 10 m hoch.

 

Was auffällt: Überall in der Altstadt weisen Straßennamen auf die Existenz der alten Umwehrung hin. Unter- und Obermauerstraße machen den Anfang und zeichnen den Verlauf der Stadtmauer zur Innenstadtseite nach. Ihnen jeweils vorgelagert sind die Wälle: Sonnen-, Kuhlen- und Springwall.

 

Plätze, Gebäude und Brücken erinnern zudem noch heute an die vier Haupttore zur Stadt. So gibt es die Schwanentorbrücke, die Marientorstraße, das Theater am Marientor und die Plätze Stapel- und Kuhtor in der City.

 

Obwohl diese vier Haupttore zwischen 1815 und 1833 abgerissen wurden, ist die Duisburger Stadtmauer dennoch die älteste in derartigem Umfang erhaltene steinerne mittelalterliche Stadtmauer im deutschen Sprachraum. Wer hätte das gedacht?

 

Etwa 670 Meter des historischen Bauwerks aus dem 12. und 13. Jahrhundert gibt es noch zu entdecken. Kommt mit, wir schauen sie uns gemeinsam an:

Untermauerstraße und Kuhtor

An der Untermauerstraße - direkt um die Ecke von meinem Büro - geht es los. Hier sind noch zwei kurze Mauerstücke erhalten. In den 1990er-Jahren kamen sie nach dem Abbruch neuzeitlicher Häuser zum Vorschein. Beide Stücke erreichen weitestgehend die originale Höhe. Zinnen, Scharten und Spuren der Wehrgänge sind deutlich zu erkennen. Das ist faszinierend. Zumal das Umfeld samt Pommes-Bude einen echten Kontrast zur schönen Mauer bieten.

 

Das angrenzende Kuhtor im Bereich der heutigen Fußgängerzone an der Königstraße lässt sich von hier allerdings nicht mehr erreichen. Ein Haus versperrt den Weg. Hier verlief die mittelalterliche Stadtmauer. Ihre Ursprünge reichen in die Zeit um 1.000 n. Chr. zurück, als Duisburg ein wichtiger Königsort war, kann man auf einem in die Hauswand eingelassenen Schild nachlesen.

Marientor

Also gehe ich zurück und wende mich erst einmal dem Marientor zu. Dieses Teilstück der Stadtmauer habe ich vorher noch nie als solches wahrgenommen. Leider fehlt hier auch die Informationstafel. Spannend ist aber, inmitten des städtischen Trubels, direkt an der Bushaltestelle einen so klasse Blick auf Marienkirche und Stadtwerketurm zu erhaschen. Auf der einen Seite hui, auf der anderen pfui. Duisburg eben.

 

St. Marien ist im Übrigen neben St. Salvator am Burgplatz die einzige mittelalterliche Pfarrkirche der Duisburger Altstadt. Innere Notiz: Ihr muss ich auch mal einen Blogartikel widmen. Check!

Calaisplatz mit Schwanentor

Weiter geht es entlang der Unterstraße Richtung Calaisplatz und Schwanentor.

 

Der halbschalenförmige Turm ist der letzte sichtbare Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung am Calaisplatz. Die beiden Bogenfenster dienten als Schießscharten. Im 12./13. Jahrhundert war der Turm noch Teil eines Dienstmannensitzes, von dem aus der Hafenbetrieb kontrolliert werden konnte.

 

Im Bereich der heutigen Brücke stand das Schwanentor. Von hier legen auch heute noch Schiffe zur Hafenrundfahrt ab. Auf dem Modell des Corputiusplans ist das Schwanentor gut zu erkennen.

Innenhafen und Alter Wehrgang

Über den Innenhafen Duisburg habe ich ja schon berichtet. Spannend zu erfahren, dass hier nicht nur in heutiger Zeit das Leben tobt, sondern an dieser Stelle auch früher Hafen- und Handelsplatz war.

 

Bis zu seiner Verlandung im 14. Jahrhundert besaß der Rheinhafen an der Ruhrmündung, welcher vor der Mauer lag, entscheidende Bedeutung für den Handel der Stadt. Hafenanlagen mit Speicherbauten, Lagerplätzen und Bootswerften sind hier anzunehmen. Im angrenzenden Stapelviertel boten nicht nur einheimische, sonder auch Fernhandelsleute ihre Waren zum Kauf an.

 

Die Namen der Türme, dem Aachener und dem Koblenzer Turm - letzterer ein Eckturm der Stadtmauer - spiegeln ebenso enge Handelskontakte mit anderen Städten wider. Man gewährte sich gegenseitig Zollprivilegien und baute als Zeichen der Verbundenheit Wehrtürme. Da der Rhein damals noch dicht am Koblenzer Turm vorbeifloss, diente dieser den Schiffern zudem als Landmarke. Mit einem Umfang von ca. 21 m und einer Höhe von 20 m ist der Turm eines der markantesten Bauwerke der Stadtbefestigung.

 "Am alten Wehrgang" zieht sich die Stadtmauer entlang des Springwalls weiter Richtung Stapeltor. Die Tuffmauer aus dem 12. Jahrhundert und der nachträglich eingefügte Krautturm sind bis auf die Höhe der Brustwehr erhalten geblieben. Das Stapeltor war ein rechteckiger Torturm mit Barbakane, einem vorgelagerten Verteidigungswerk.

Stapeltor und Kuhlenwall

Vom Stapeltor aus gehe ich entlang des Kuhlenwalls Richtung Innenstadt. Diese Bebauung der Oberstraße hat den Zweiten Weltkrieg zum Glück weitestgehend unbeschadet überstanden. Erhalten ist ein kurzer Mauerabschnitt samt halbschalenförmigem Wehrturm. Zum Teil sind Elemente mit einheimischem Bruchstein und Tuffen aus der vulkanischen Eifel saniert worden. In der Nische des Wehrturms steht das Mahnmal zum Gedenken an die Duisburger Synagoge und die Opfer der Verfolgung.

Schäferturm

Überquert man die Gutenbergstraße kommt man zum Kuhlenwall-Karree und zum Schäferturm. Der Backsteinturm wurde im 13. und 14. Jahrhundert in die bereits bestehende Stadtmauer eingefügt. Er hat noch heute die stattliche Höhe von 6 m. Im Inneren sind Schießscharten und Gewölbeansätze einer Zwischendecke zu erkennen. Wie der Name des Turms verrät, war hier der Stadtschäfer untergebracht.

Tja, und dann bin ich auch schon wieder an der Untermauerstraße, dem Kuhtor und quasi am Ausgangspunkt meiner Tour angelangt.

 

Über das Kuhtor habe ich ja schon einmal geschrieben. Es war ein breiter Torturm, der im Spätmittelalter durch ein Vortor und einen Zwinger ergänzt wurde. Und tatsächlich wurden von hier aus Kühe in die umliegenden, bis zur Wedau reichenden Weideländereien getrieben.

 

Fast 10.000 Schritte später (sagt die App ;-)) bin ich also ein bisschen schlauer und mal wieder fasziniert von meiner eigenen Stadt. Jetzt ist das Wochenende da.

Fotos: Verena Meyer

 

Die Informationen in diesem Text habe ich den Texttafeln "Rund um die Kaiserpfalz" der Stadt Duisburg entnommen, die an den jeweiligen Bauwerken aufgestellt sind.

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